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Bericht im Reutlinger General Anzeiger über das 25 jährige Jubiläum des Geschichts- und Heimatverein der Stadt Trochtelfingen am 25.04.2013

Historie - Der Geschichts- und Heimatverein Trochtelfingen befasst sich seit 25 Jahren mit dem, was frher einmal war

Trochtelfingen - Kleine Stadt, große Vergangenheit

VON MARION SCHRADE

 TROCHTELFINGEN. Württembergisch und preußisch, Teil der Grafschaft  Werdenberg-Heiligenberg, fürstenbergische Obervogtei und  hohenzollerisches Oberamt:
Trochtelfingen war in seiner langen  Geschichte vieles.
In Vergangenheit und Gegenwart allerdings ist die  Stadt auf der Alb vor allem eines: Heimat derer, die dort leben.

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Die Gründungsmitglieder vor der Stadtmhle€“ dem Ort, der die  Vereinsgeschichte ins Rollen brachte.

Josef »Mecki« Hack (links), Heinz  Schmid, Hans Widmann und Rudolf Griener (von rechts) mit Bernhard  Klingenstein und Volker Preuß (zweiter und dritter von links). Es fehlen die Gründungsmitglieder Johannes Martin Schoser und Fritz Eisele.
FOTO:  SCHRADE

Sie gestalten die Geschichte im Jetzt und Hier  - und halten fest, was in vergangenen Zeiten geschah.
Die Aufgabe, lokalhistorisches Wissen zu  bewahren und weiterzugeben, hat sich der Heimat- und Geschichtsverein  auf die Fahnen geschrieben.
Nun feiern die Männer und Frauen das 25-jährige Bestehen ihres Vereins.

Unter den 54 Mitgliedern sind einige, die sich lebhaft an die ersten  Schritte stadtgeschichtlicher Detektivarbeit erinnern.

Einer von ihnen  ist Kunstschmied Josef »Mecki« Hack. »
Sieben Mühlen hatte die Stadt  einst. “So hat man’s in der Schule gelernt”, erzählt er.
Ihre Geschichte  hat ihn gefesselt. »Ich wollte, dass nicht auch noch die Letzte von  ihnen verschwindet: die Stadtmühle.«
Hacks Kameraden Adolf Schmid und  Heinz Schmid sahen es genauso.

Auch Johannes Martin Schoser, der sich bereits in den 50er Jahren für  die Sanierung der Sichtfachwerke in der Altstadt starkgemacht hatte, war begeistert.
Bis zur Idee, einen Geschichts- und Heimatverein zu  gründen, war es nur noch ein kleiner Schritt: Am 24. Februar 1988 wagten ihn 20 Menschen.
Das Amt des ersten Vorsitzenden übernahm Johannes  Martin Schoser, Adolf Schmid das des Zweiten. Heinz Schmid machte den  Schriftführer, Hans Widmann wurde Kassier  und ist es bis heute  geblieben.

 

 Ein eigenes Museum

 Das erste große Projekt, auf das die  Gründungsmitglieder hinarbeiteten, war eine Ausstellung: 1992 zeigte der Verein Dokumente und Bilder zur Bewirtschaftung des Waldes, vom  Landwirtschaftlichen Hauptfest 1903 in Trochtelfingen und alte  Postkarten des Städtchens - damals noch im Rathaus, später dann in den  Schulräumen des Schlosses.
Dem zweijährigen Turnus des Stadtfestes  folgend und aufgrund der räumlichen Situation jeweils nur für ein paar  Tage.

Im Jahr 2004 konnte der Verein schließlich sein eigenes Museum  beziehen.

Drei Räume Am Hohen Turm, bisher von der Polizei genutzt,  wurden frei und boten dem Geschichts- und Heimatverein die Möglichkeit,  endlich Dauerausstellungen einzurichten.
Seither ist das Museum an jedem zweiten und vierten Sonntag des Monats geöffnet.

Zurzeit können Besucher dort den Wandel vom landwirtschaftlich  geprägten Handwerker- zum modernen Industriestandort sehen.
Doch stecken die Vereinsmitglieder schon mitten in den Vorbereitungen für ihre  nächste Ausstellung, die ab Frühjahr 2014 zu sehen ist:
Die historische  Bürgerwehr, vor 450 Jahren erstmals erwähnt, und der daraus entstandene  Schützenverein stehen dann im Zentrum des Interesses.

Große Beachtung fand die Ausstellung des Jahres 2006:
Der Verein hatte  Fragebögen an Flüchtlinge verteilt, 25 Familien machten mit und gaben  ganz persönliche Antworten und Einblicke in Themen wie Heimat und  Integration.
»Sogar ganze Schulklassen aus dem Umkreis von Münsingen bis Gammertingen kamen in die Ausstellung«, berichtet Bernhard  Klingenstein.

Auch so manches Vereinsmitglied hat einen »Migrationshintergrund«:  »Etwa 40 Prozent unserer Mitglieder sind Zugezogene«, sagt Klingenstein. Zu diesen zählt auch Volker Preuß, der 1985 per Ausreiseantrag aus der  damaligen DDR in die BRD kam, zunächst in Reutlingen lebte, sich dann in das Städtchen Trochtelfingen verliebte und mit seiner Familie auf die  Alb zog € obwohl er inzwischen in Unterhausen gebaut hatte. An seinem  neuen Wohnort fielen ihm die bronzenen Infotafeln an öffentlichen, aber  auch an privaten Gebäuden auf. Preuß hakte nach und erfuhr, dass der  Geschichtsverein hinter diesen Tafeln €” 24 sind es mittlerweile €“  steckte.
Er zögerte keinen Augenblick und schloss sich der Gruppe an:  »Der Verein war die beste Möglichkeit, meine neue Heimat  kennenzulernen!«

So viel Offenheit kam in der Anfangszeit nicht von allen Seiten. »Viele gebürtige Trochtelfinger waren zunächst skeptisch«, erzählt Rudolf  Griener, Gründungsmitglied und seit 1999 zweiter Vorstand.
»Es hieß: Wir sind Trochtelfinger, wir kennen alles schon«
Nach und nach aber kamen  die Mitbürger in die Ausstellungen €“ und staunten über das, was sie  alles nicht wussten.

 

 Fundus mit Archiv-Charakter

 Um an Bilder und Schriftstücke  zu gelangen, musste der Verein in den ersten Jahren mühsam »Klinken  putzen«, wie Klingenstein sagt. Inzwischen wird den Lokalhistorikern  sogar Material angetragen. Bilder- über 3 000 Fotos umfasst die  Sammlung des Vereins inzwischen- sind genauso darunter wie  Haushaltsgegenstände, ein ganzer Fuhrpark landwirtschaftlicher Geräte  aus früheren Tagen, Zunftladen und die komplette Einrichtung einer  Schuhmacherwerkstatt.

Trochtelfingen hat keinen hauptamtlichen Stadtarchivar. Dass die  Vereinsmitglieder die Schriftstücke von der Schlossbühne geholt und  wieder aufgeschlagen haben, freut Bürgermeister Friedrich Bisinger,  selbst Vereinsmitglied, deshalb besonders. Einige historische Dokumente  sind vernichtet worden oder verloren gegangen. »Aus der Zeit vor dem  großen Stadtbrand von 1726 fehlt vieles«, sagt Klingenstein.
Bei seiner  Spurensuche muss der Verein bisweilen verzweigte Wege einschlagen:
Seine Recherchen führen ihn zum Beispiel ins Staats- sowie in Kreisarchive  und in die Bibliothek des Hauses Fürstenberg.

Mehrere Bücher haben die Vereinsmitglieder inzwischen veröffentlicht,  eine Zeittafel zur Trochtelfinger Geschichte, ein Faltblatt und einen  Kalender.
Seit 2011 gibt der Verein die Trochtelfinger Geschichtsblätter heraus.
Weil es aus der Vergangenheit der Stadt noch Vieles zu  berichten gibt, das die Vereinsmitglieder Menschen jeden Alters mit  Freude weitergeben € auch bei Stadtführungen und im Ferienprogramm.  (GEA)


 www.geschichtsverein-trochtelfingen.de


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